Musik-Seminar Teil 5

Muñeca brava“ Esther Wenger 26.11.2001

1935

Orquesta Juan D‘Arienzo

Die Tango-Musik hat sich bis 1935 immer weiter entwickelt und wurde immer komplizierter und verfeinerter (Synkopen, Off-Beat, 3-3-2 Rhythmus usw.). Die Melodie wurde immer wichtiger, siehe Fresedo im Teil 4. Mit Juan D‘Arienzo entstand aber jetzt ein ganz neuer Stil. Die Aufnahmen von D‘Arienzo von 1928 und 1929 waren im Stil der „Guardia Vieja“ ein energetischer, spielerischer, schneller Stil. In der Zeit von 1930 – 1935 trat das Orchester an vielen Orten auf. In Kabaretts, im Film „Tango“ von 1933 usw. Aber er hatte aber in dieser Zeit keine Platten aufgenommen. Im Juli 1935 wurden 2 Aufnahmen im Studio gemacht. „Desde del alma“ ein Vals und „Hotel Victoria“ ein Tango. Juan D‘Arienzo wollte beim Stil der „Guardia Vieja“ bleiben im Gegensatz zu dem Weg den die meisten anderen Orchester gingen, er wollte den Tango wieder vereinfachen, mit einem klaren Rhythmus.

Er nahm in dieser Besetzung bis im Dezember 1935 8 Stücke auf. Im Dezember 1935 engagierte er Rodolfo Biagi für das Piano. Rodolfo Biagi veränderte den Stil des Orchesters stark. Sein Spiel war enervierend, mit viel Spannung und Kraft. Zwischen den Melodieinstrumenten oder dem Sänger und der Rhythmusgruppe mit dem Piano entwickelte sich eine starke Spannung. Auffallend sind seine Überleitungen von einer Phrase zur nächsten Phrase. Normalerweise ist dies ein Ruhepunkt zum Atmen, so wie wir zwischen zwei Sätzen einen kurzen Moment innehalten, bevor der nächste Satz kommt. Wenn man das als Tänzer nicht macht, dann ist es wie sprechen ohne Punkt und Komma. Anstatt zur Ruhe zu kommen, nutzte Biagi diesen Moment um Energie aufzubauen. Dadurch wurde das ganze Stück sehr energetisch. Diese Musik begeisterte die Tänzer, sie konnten durch diese Spannung kaum still sitzen. Die Menschen strömten in die Tanzsäle. Es war ein Höhepunkt in der Beliebtheit des Tango-Tanzes. Man nannte Juan D‘Arienzo „El Rey del Compas“, den König des Taktes. Rodolfo Biagi blieb bei Juan D‘Arienzo bis zum Juni 1938. Er wurde dann Juan Polito abgelöst, welcher bis Ende 1939 beim Orchester blieb. Ab 1940-1957 war Fulvio Salamanca am Piano, danach nochmal Juan Polito.

Zwei Instrumente waren typisch für das Orchester von Juan D‘Arienzo, das Piano und die Art und Weise wie Biagi es verwendete und die Geige, bei der man in fast jedem Stück „die summende Biene“ hört, das ist das Legato auf der tiefen Saite der Geige.

Jetzt ein paar Beispiele aus der Zeit mit Rodolfo Biagi:

Instrumental:

Titel: „Rawson“ 1936

Titel: „Ataniche“ 1936

Titel: „Don Juan“ 1936

Mit dem Sänger: Alberto Echagüe:

Titel: „Nada Mas“ 1936

Für mich sind die Stücke aus dem Jahr 1937 die Besten seiner Biagi-Zeit:

Instrumental:

Titel: „El cencerro“ 1937

Titel: „El Banqueano“ 1937

Mit dem Sänger: Enrique Carbel:

Titel: „Paciencia“ 1937

Beispiele mit Juan Polito, er führt den Stil von Rodolfo Biagi ohne Bruch weiter.

Titel: „Felicia“ 1939 Instrumental

Titel: „Por que razón“ 1939 Instrumental

Titel: „Olivame“ 1939 Sänger: Alberto Echagüe

Im nächsten Teil geht es dann mit Juan D‘Arienzo in den 40er Jahren weiter.

Rodolfo Biagi (1906 – 1969) Buenos Aires

Rodolfo hatte früh Unterricht am Piano. Im Alter von 13 Jahren und ohne dass seine Eltern es wussten, begann er als Pianist in einem Nachbarschaftskino zu arbeiten, wo er Stummfilme begleitete.

1930 begleitete er zusammen mit dem Geiger Antonio Rodio und drei Gitarristen Carlos Gardel bei der Aufnahme der Tangos „Viejo Smoking“, „Buenos Aires“ und „Aquellas Farras“.

Biagi spielte später im Juan Bautista Guido Orchester und dann im Juan Canaro Orchester, mit dem er in Paris im Kino auftrat und durch Brasilien tourte.

1935 wurde er Teil des Orchesters von Juan D‘Arienzo und spielte dort mit ihm im Kabarett „Chantecler“.

1938 gründete Biagi sein eigenes Orchester, mit dem er am 16. September 1938 im Marabú-Kabarett in Buenos Aires auftrat. Seine Spielweise hielt er weiter bei. Man nannte ihn „Manos Brujas“, die verzauberten, oder verhexten Hände.

Natürlich konnte Biagi im eigenen Orchester sein sehr energetisches, enervierendes Spiel weiter entwickeln. Bis 1940 war es noch ähnlich wie er im Orchester von D‘Arienzo gespielt hat. Aber es gab jetzt viel mehr Läufe des Pianos. Später wurden seine Arrangements immer extremer. Nur wenn ein Sänger dabei war, spielte er moderater. An manchen seiner instrumentalen Tangos der 40er und 50er Jahren scheiden sich die Geister. Viele lieben es, manche hassen es. Manche Stücke sind wie zerrissen und durchlöchert.

Tangos:

Titel: „El incendido“ 1938 Instrumental

Titel: „Una Pena“ 1938 Sänger: Teófilo Ibáñez

Titel: „¡Cielo! 1939 1939 Sänger: Andrés Falgás

Titel: „El Rapido“ 1940 Instrumental

Titel: „Re Fa Si“ 1940 Instrumental

Enrique Rodriguez (Buenos Aires, oder La Plata, 1901 – 1971)

Bandoneon

Er spielte zuerst in Kinos als Begleitung zu Stummfilmen zusammen mit einem Pianisten. Er musizierte in den ersten Radiosendungen mit einigen anderen Musikern zusammen. 1926 Begann er im Sextett Joaquín Mora und trat dann dem Orchester Edgardo Donato bei. 1934 begrüdete er ein Trio um den Sänger Francisco Fiorentino im Radio Belgrano zu begleiten.

1936 gründete er sein eigenes Orchester und engagierte den Sänger Roberto Flores.

Er nannte sein Orchester 1966 auf Wunsch der Plattenfirma „Orquesta de todos los ritmos“ In seinen Auftritten wechselte er zwischen Tangos, Valses, Milongas, Foxtrott, Pasadobles, Polkas und Rancheras ab. Sein Repertoire enthielt nur fröhliche und romantische Musik. Es war kein eigentliches Tango-Orchester. Aber auch andere Orchester spielten neben Tango noch weitere Genres, zum Beispiel Fresedo. Der Stil dieses Orchesters war einfach und schlicht. In Europa ist es bis Heute als fröhliche Abwechslung beliebt. In Buenos Aires wurde es lange Zeit gar nicht in Milongas gespielt.

Tangos:

Titel: „Déjame ser así“ Sänger: Roberto Flores 1938

Titel: „Te quiero ver escopeta“ Sänger: Roberto Flores 1939

Titel: „¿Vendrás alguna vez?“ Sänger: Roberto Flores 1938

Titel: „No te quiero más“ Sänger: Amando Moreno 1940

Teil 6-a

Schon gegen Ende der 30er Jahre, entstand neben der Begeisterung für den rhythmischen Stil von D’Arienzo, Biagi, Donato und Rodriguez eine neue Hinwendung zu mehr melodischer Musik. Da der Beginn der 40er Jahre sehr viele Neuerungen und neue Orchester bringt, habe ich den Teil 6 in a und b geteilt.

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