Musik-Seminar Teil 1

Tango-Musik-Seminar Teil 1

Ursprung der Tangomusik

Wann die Tangomusik entstanden ist, ist nicht klar. Man vermutet, dass die Entwicklung etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann und wahrscheinlich auch schon dazu getanzt wurde.

Vor dem Tango:

Auf dem Land gab es vor allem die Folklore. Diese hat sich vermutlich aus spanischen Volksmusik-Stilen z.B. der Zarzuela entwickelt. So entstand unter anderem die argentinische Zamba und die Chacarera. Die Chamame stammt aus mitteleuropäischen Musikformen, z.B. der Polka. Die Musik der Gauchos waren Balladen welche mit der Gitarre begleitet wurden, inspiriert zum Teil auch von der Musik der Indios.

In Buenos Aires war die Musik geprägt von der europäischen Musik z.B. der spanischen Zarzuela, dem Wiener Walzer und der italienischen Oper und von den italienischen Volksweisen.

Die Zarzuela:

Der Tango entstand in der Zeit der großen Einwanderung. Die Einflüße stammten vor allem von der afrokubanischen Habanera, der Candombe und der Milonga campera. Wichtig war auch der Strom von europäischen Einwanderern, welche ihre eigene Musik aus Europa mitbrachten.

Milonga campera von Atahualpa Yupanqui

Milonga campera: „Paisano errante“

Milonga Campera: „Una cruz para el camino“

In der folgenden Habanera hört man den Rhythmus welchen man im europäischen Standart-Tango noch immer findet.

George Bizet: „Habanera“ aus Carmen

Ganz wichtig: La decima, sie ist eine Versform mit 10 Zeilen und einem Rhythmus welcher in ganz vielen Musikformen in Persien, Südamerika, Israel, Mexico usw. vorkommt. Es ist der 3-3-2 Rhythmus, der in der Milonga campera und in vielen Tangos auch schon ganz früh z.B bei Francisco Canaro und vielen Anderen vorkommt und den später Astor Piazolla oft benutzt hat.

Im folgenden Video erklärt Jorge Drexler die Decima und wo sie überall in der Musik verwendet wird. Ich werde später in den folgenden Teilen immer darauf hinweisen wo der 3-3-2 Rhythmus der Decima im Tango erscheint.

Hier eine genauere Erklärung der Decima und des 3-3-2 Rhythmus

Ihr könnt die Sprache der Untertitel im Video ändern, wenn ihr in der rechten unteren Ecke im Video auf die rote Marke mit den 3 Punkten klickt

Von der ersten Tangos haben wir keine Hörbeispiele, da es noch keine Tonaufzeichnung gab. Es gibt einige Notenblätter, aber die Musiker haben oft „alla parilla“ gespielt, d.h. vom Grill. Das bedeutet die Noten waren nur eine Orientierung, sie wurden kreativ umgesetzt.

Die ersten Schallplatten wurden ca. 1890 gepresst. Die ältesten Tangos die ich besitze sind von 1907. Zu dieser Zeit wurden als Melodieinstrumente die Geige und die Flöte benutzt, die Flöte wurde später durch das Bandoneon ersetzt. Die genaue Zeit der ersten Benutzung des Bandoneons im Tango ist nicht bekannt. Ich schätze es war etwa um 1900.

Als Beispiel hier ein Tango komponiert von Angel Villodo gespielt von der Rondalla (Musikanten) Jose Vazquez 1907 Titel: „Yunta brava“, die Bedeutung ist ungefähr „wildes Pferde-Gespann“.

Es ist ganz interessant diesen Tango „Yunta Brava“ auch in den Klaviernoten zu sehen und gleichzeitig zu hören.

Hier nur als Vergleich:

„Yunta Brava“ wurde auch von D‘Arienzo 1939 wieder aufgenommen.

Ein paar Stichworte zu

Angel Villoldo: 16.02.1861- 14.10.1919 Buenos Aires.

Sänger (Bariton), Musiker (Gitarre, Piano, Mundharmonika), Komponist und Textdichter, Tänzer, sehr populär.

War in der Jugend: Viehhirte, Straßenbahnschaffner, Zirkusclown und Schriftsetzer bei der Zeitung. Er war Straßensänger und trat in vielen Kneipen auf. Er hat viele heute noch gespielte Tangos komponiert und die Texte geschrieben. Texte waren meist sarkastisch und ironisch, auch enthielten sie viele Ausdrücke in Lunfardo, so dass sie später oft geändert wurden. Seine berühmtesten Tangos waren sicher: „El choclo“, „La morocha“ , „El portenito“, „El esquinazo“ u.v.m. Es waren vermutlich über 100 Tangos.

Die Tangos zu dieser Zeit hatten noch einen festen Habanera-ähnlichen Rhythmus.

1917 gilt als das Jahr, in dem der Tango-Cancion entstand mit dem Tango „Mi noche triste“ von Carlos Gardel. Der Gesang steht im Vordergrund und wurde meist mit Gitarre begleitet; der Tango-Cancion ist eine eigene Musik-Form (Liedform).

Carlos Gardel: „Mi noche triste“:

Diese Musik wurde vor allem durch die Schallplatte und durch das Radio verbreitet, es ist keine Tanzmusik.

Fragen, Kritik und Anregungen bitte in den Kommentaren

Teil 2

7 Replies to “Musik-Seminar Teil 1

  1. Herzlichen Dank, dass Du Licht ins Dunkel der Anfänge und Entstehungsgeschichte des Tango Argentino bringst. Je mehr ich darüber erfahre, desto mehr Nuancen beachte und höre ich in dieser von mir so geliebten Musik.
    Was ich noch nicht verstanden habe: die Decima ist einerseits eine Versform aus der Lyrik und auch eine musikalische Rhythmik?

    1. Die Decima ist eine Versform welche in der 3-3-2 Rhythmik gesungen wird. Jede Zeile hat acht Silben, diese werden im 3-3-2 Rhythmus betont.

  2. Lieber Peter, wie schön. Dank Dir sehr. Es macht Spass, den Text zu lesen und die Beispiele zu hören. Freue mich auf mehr. Liebe Grüße Georg

  3. Vielen Dank Peter,
    dafür dass Du dieses mit Leidenschaft über Jahre erworbene Wissen weitergibst, und das in einer so gut lesbaren und verständlichen Form!
    Ich bekomme wieder Freude am Recherchieren und Dazulernen. Und ich freue mich auf die Fortsetzung.
    Lieben Gruß, Ingrid

  4. Lieber Peter,
    vielen Dank für diese schöne Zusammenstellung der Geschichte des Tangos mit den tollen Musikbeispielen. Es macht viel Freude beim Hören und Lesen.
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Liebe Grüße

  5. Lieber Peter,
    hab Dank für Deine Recherchen und das Teilen derselben. Freue mich schon auf die nächste Ausgabe…Die Videos Bizet mit Carmen und Gardel sind nicht verfügbar.. lassen sich nicht öffnen ?

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